Arbeitskreis queer in ver.di Berlin/Brandenburg

AfD-Gegendemo in Berlin 2018

AfD-Gegendemo in Berlin 2018

AfD-Gegendemo in Berlin 2018 Lukas Rohm AfD-Gegendemo in Berlin 2018  – AfD-Gegendemo in Berlin 2018

Wir zeigen als Arbeitskreis queer in ver.di Berlin/Brandenburg Gesicht und beteiligen uns an der Kundgebung gegen die bundesweit organisierte Demonstration der AfD. Berlin ist kein Platz für Rechtspopulist_innen und Rechtsextremist_innen. Der Arbeitskreis setzt sich für Vielfalt und Akzeptanz ein.

Bericht in der Berliner Zeitung:

Die wichtigste Nachricht ist: Es waren wirklich viele, die an diesem sommerlichen Sonntag auf den Badesee verzichtet haben und sich öffentlich zu der Botschaft bekannten, dass es zur Demokratie keine Alternative gebe und rechtes Gedankengut nicht ins Parlament gehört. Der Weinbergspark war voll, als sich die gegen die Großdemo der AfD gerichtete „Glänzende Demonstration“ lautstark und launig um Punkt zwölf Uhr mittags in Richtung Oranienburgerstraße, Reichstagufer und Pariser Platz in Bewegung setzte – eine neue Loveparade. Und das war erst das Netzwerk der Kulturleute Berlins, initiiert vom Verein Die Vielen – beim nächsten Mal könnten noch die sozialen Verbände und migrantischen Initiativen in größerer Zahl hinzukommen.

Zum Protest der Vielen gehörte, dass es keine einheitliche Parole gab und keine Sprechchöre entstanden. Dafür sang Bernadette La Hengst das Lied vom alltäglichen Widerstand und lehrte die Menge den Refrain „Deswegen sage ich: Nein, nein, nein, nein.“ Wenig später, während die Glänzenden vor dem Brandenburger Tor auf die Schlusskundgebung warteten und sich andere Gruppen anschlossen – etwa ein akkurat aufmarschierender, schwarz gekleideter Block aus Mitte – wurde skandiert: „Ganz Berlin hasst die AfD...!“ Das rollte so satt aus den Kehlen, in Sichtweite der Deutschlandfahnen hinter der Polizeibarrikade am Brandenburger Tor, und wurde immer lauter. Bis einer schrie: „Aber wir sind doch die mit der Liebe!“ Und dann in die Stille entschuldigend nachsetzte: „Nur habe ich da noch keinen Spruch parat.“

Rechtes Denken als „Droge“
Hier schloss nahtlos Shermin Langhoff, die Intendantin des Gorki-Theaters, als erste Rednerin auf dem Wagen der Vielen an. Sie bezeichnete das rechte Gedankengut als „Droge“, die in ihrer verführerischen Einfachheit überall verfügbar und weitgehend legal sei und entsprechend quer durch die Gesellschaft konsumiert werde, auch im Kulturbereich. Das Schlimme daran sei, dass der Rohstoff dieser Droge die Sprache sei und uns schleichend infiltriere. Was könne man tun? „Wir müssen die Suchtgefährdeten finden und retten. Wir müssen einen Weg ohne rechte Drogen aufzeigen. Wir müssen unsere Zweifel, die ein kostbares Gut sind, vor dem Einfluss der Vereinfacher schützen. Lasst uns eine Sprache finden, die trägt, was wir fühlen und denken, ohne andere zu verletzen. Vielleicht wird daraus ja ein Aussteigerprogramm.“

Wind kam auf an diese Stelle ihrer Rede, der Himmel hatte sich schon mit dem Einmarsch der Vielen auf dem Platz bezogen, jetzt pustete es plötzlich wie auf eine Szenenanweisung hin, ein paar Regentropfen fielen. „Kunst ist Alltag, Kunst ist Praxis“, rief Langhoff und donnerte explizit in Richtung der nicht sichtbaren AfD-Anhänger auf dem Platz des 18. März: „Was eine Gesellschaft sein soll, das entscheiden alle, die hier leben, und zwar immer wieder.“ Fortsetzung folgt gewiss.

– Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/30525596 ©2018