Arbeitskreis queer in ver.di Berlin/Brandenburg

Beschluss: "Leben und Arbeit mit HIV verbessern - Diskriminierung …

Beschluss: "Leben und Arbeit mit HIV verbessern - Diskriminierung von Menschen mit HIV in der Arbeitswelt entgegenwirken sowie Ängste und Vorurteile abbauen" des 4. ver.di-Bundeskongresses vom 20. bis 26. September 2015 in Leipzig

K Gewerkschafts- und Gesellschaftspolitik 471
K 006 Gewerkschaftsrat

Leben und Arbeit mit HIV verbessern - Diskriminierung von Menschen mit HIV in
der Arbeitswelt entgegenwirken sowie Ängste und Vorurteile abbauen

ver.di setzt sich seit vielen Jahren für den Schutz aller Menschen mit HIV vor Diskriminierung
und Ausgrenzung ein. Im Anbetracht der guten medizinischen Fortschritte im
Kampf gegen HIV wird dieses Engagement auch in der Arbeitswelt immer bedeutender.
Mittlerweile wurde durch die in der Bundesrepublik Deutschland zur Verfügung
stehenden HIV-Medikamente für die Betroffenen eine starke Verbesserung ihrer Lebensqualität
und der Lebenserwartung erreicht, die auch eine normale Erwerbstätigkeit
bis ins Rentenalter (wieder) ermöglicht. Menschen mit HIV sind chronisch erkrankte
Menschen mit einer in der Regel behandelbaren Erkrankung, soweit sie die lebensnotwendigen
Medikamente rechtzeitig, regelmäßig und dauerhaft erhalten. Sie leben
zwar mit Einschränkungen, sind aber heute im Schnitt genauso leistungsfähig wie ihre
Kolleginnen und Kollegen und können daher ein ganz normales Berufsleben führen.
Nach Expertenangaben sind in der Bundesrepublik Deutschland zwei Drittel der Menschen
mit HIV berufstätig.
Der positive medizinische Wandel, der sich in den letzten 15 Jahren für Menschen mit
HIV vollzogen hat, ist jedoch nur sehr vereinzelt im öffentlichen Bewusstsein angekommen.
Die alten Bilder sowie Vorurteile und Ängste sind weiterhin präsent. Die
Unkenntnis führt zu Unsicherheit im Umgang mit HIV-positiven Menschen. Viele Kolleginnen
und Kollegen befürchten Diskriminierung am Arbeitsplatz oder haben bereits
Ausgrenzungserfahrungen im Beruf machen müssen.

Angenommen
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Um Diskriminierungen von Menschen mit HIV in der Arbeitswelt zu bekämpfen und
irrationale, unbegründete Infektionsängste abzubauen, fordert und fördert ver.di eine
kontinuierliche Informationskampagne zum Thema HIV in der Arbeitswelt und setzt
sich dafür ein, dass entsprechend der Forderung des Nationalen AIDS-Beirats weder
in Bewerbungsverfahren noch bei bestehenden Arbeitsverhältnissen ein HIV-Test
verlangt werden darf. ver.di möchte damit zum Abbau von Diskriminierung und zu
einem solidarischen Zusammenarbeiten aller Kolleginnen und Kollegen beitragen. Um
Synergieeffekte zu nutzen und so optimale Ergebnisse der Informationskampagne zu
erzielen, kooperiert ver.di dabei mit anderen Gewerkschaften, dem DGB sowie weiteren
staatlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen und Selbsthilfeorganisationen.

Angenommen als Arbeitsmaterial zur Weiterleitung an den Bundesvorstand

 

Begründung der Antragsteller

Der 1. ver.di-Bundeskongress 2003 hatte mit dem Beschluss
"Gewerkschaften gegen AIDS" und der 2. ver.di-Bundeskongress 2007 mit
dem Beschluss "Gewerkschaften gegen Diskriminierung von Menschen mit
HIV/AIDS" bereits die Grundlagen dafür gelegt, mit einer umfangreichen
Bildungs- und Aufklärungsarbeit innerhalb von ver.di sowie kompetenten
Beratungs- und Informationsleistungen im Kampf gegen HIV/AIDS an herausragender
Stelle in der Bundesrepublik Deutschland aktiv zu sein. Da jedoch
immer noch viele Menschen mit HIV unter Diskriminierung oder Ausgrenzung
leiden und andererseits viele Menschen unbegründete Ängste
vor Infektionen mit HIV in der Arbeitswelt haben, muss sich ver.di gemeinsam
mit den auf dem Gebiet tätigen Organisationen und Verbänden für
eine Informationskampagne einsetzen und diese inhaltlich und organisatorisch
begleiten.
Zur Behandlung der HIV-Infektion gibt es heute sehr wirkungsvolle antiretrovirale
Medikamente, die die Vermehrung des Virus im Körper verhindern.
Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung haben HIV-Infizierte
heute eine annähernd normale Lebenserwartung bei guter Lebensqualität.
Viele HIV-Positive sind (wieder) erwerbstätig. In der Bundesrepublik
Deutschland stehen nach Expertenschätzungen etwa zwei Drittel der rund
80.000 Menschen mit HIV im Arbeitsleben ihre Frau oder ihren Mann. Alle
vorliegenden Erfahrungen, Studien und Umfragen zeigen, dass sie im
Schnitt genauso leistungsfähig sind, wie ihre Kolleginnen und Kollegen.
Da im Arbeitsalltag bei Einhaltung der üblichen Hygiene- und Arbeitsschutzmaßnahmen
keine Gefahr einer Übertragung auf Kolleginnen und
Kollegen oder die Kundschaft besteht, gibt es – außer für Chirurginnen und
Chirurgen – keine beruflichen Einschränkungen für Menschen mit HIV. Das
gilt auch für die Pflege, die Kinderbetreuung und Erziehung oder die
Lebensmittelverarbeitung und Gastronomie. Durch Unwissenheit und irrationale
Ängste können jedoch Unsicherheiten im Umgang mit HIV-positiven
Kolleginnen und Kollegen entstehen. Mit einer kontinuierlichen Informationskampagne
kann ver.di entscheidend dazu beitragen, Kolleginnen und
Kollegen auf den neuesten Kenntnisstand zu bringen und über den Umgang
mit chronischen Erkrankungen nachzudenken. Das hilft, Unsicherheiten
und Ängste abzubauen und dadurch Diskriminierungen oder Ausgrenzungen
entgegenzuwirken. Als große Hürde für Menschen mit HIV im
Erwerbsleben erweist es sich heute immer noch, wenn im Bewerbungsverfahren
oder auch während des laufenden Arbeitsverhältnisses ein HIV-Test
verlangt oder auch nur angeboten wird. Diese unangemessene und
rechtswidrige Praxis gilt es zu verhindern.